Wann ist bei akuter Pankreatitis eine ERCP nötig?
Eine notfallmäßige ERCP bei akuter Pankreatitis kommt infrage, wenn eine Cholangitis (Infektion der Gallenwege) vorliegt oder Befunde auf eine fortbestehende Gallenwegsobstruktion hinweisen. Fehlen diese Befunde, wird eine notfallmäßige ERCP nicht routinemäßig empfohlen, da der Stein meist von selbst abgeht; besteht weiterhin Verdacht, erfolgt zunächst eine Abklärung mittels MRCP oder Endosonografie. Die Entscheidung wird individuell anhand des klinischen Bildes, des Verlaufs der Blutwerte und der Bildgebung getroffen.
Viele Patientinnen und Patienten mit gallensteinbedingter Pankreatitis fragen sich wegen der Möglichkeit eines Gallengangssteins, ob eine ERCP durchgeführt werden muss. Der aktuelle Ansatz versteht die ERCP nicht als diagnostischen Schritt für alle, sondern als therapeutischen Eingriff, der bei bestimmten Befunden zum Einsatz kommt.
Was ist eine ERCP, wofür dient sie?
Bei der ERCP wird über ein durch den Mund eingeführtes Endoskop die Stelle erreicht, an der sich der Gallengang in den Darm öffnet; bei Bedarf wird diese Öffnung erweitert (Sphinkterotomie), ein Stein entfernt oder ein Stent eingesetzt. Es handelt sich um einen therapeutischen Eingriff und wird nicht allein zur Bildgebung durchgeführt, da er selbst ein Komplikationsrisiko birgt, darunter auch eine Pankreatitis.
Wann ist eine notfallmäßige ERCP nötig?
In diesen Situationen ist das Ziel nicht die Behandlung der Pankreatitis selbst, sondern die Entlastung des infizierten oder verschlossenen Gallengangs. Bei Cholangitis wird der Eingriff meist innerhalb der ersten 24 Stunden geplant.
- Cholangitisbild: Fieber, Gelbsucht und Bauchschmerzen zusammen, Verschlechterung des Allgemeinzustands
- Befunde, die auf eine fortbestehende Gallenwegsobstruktion hindeuten: weiter ansteigendes Bilirubin, deutliche Erweiterung der Gallenwege und Steinnachweis in der Bildgebung
Wann ist keine notfallmäßige ERCP nötig?
Bei Patientinnen und Patienten ohne Cholangitisbefund und ohne fortbestehende Obstruktion konnte eine verbesserte Prognose durch eine frühe ERCP nicht gezeigt werden. Der Großteil der Steine wandert in den ersten Tagen von selbst in den Darm weiter; bei diesen Patientinnen und Patienten bilden sich Leberwerte und Bilirubin von selbst zurück.
Bessert sich die Patientin bzw. der Patient klinisch und gehen die Laborwerte zurück, wird deshalb Beobachtung mit geplanter Gallenblasenoperation der ERCP vorgezogen.
Der Stellenwert von MRCP und EUS
Bei Patientinnen und Patienten mit mittlerer Wahrscheinlichkeit für einen Gallengangsstein – also weder sicher ausgeschlossen noch gesichert – werden zunächst nicht-invasive Verfahren eingesetzt. Die MRCP ist eine strahlungsfreie MRT-Untersuchung, die die Gallenwege detailliert darstellt. Die Endosonografie (EUS) ist besonders bei kleinen Steinen empfindlich und erlaubt bei Bedarf den Übergang zur ERCP in derselben Sitzung.
Ziel dieses stufenweisen Vorgehens ist es, Patientinnen und Patienten ohne Stein vor dem unnötigen Risiko eines Eingriffs zu bewahren.
Risiken der ERCP
Zur Risikominderung können vor und während des Eingriffs vorbeugende Maßnahmen ergriffen werden. Die Auswahl dieser Maßnahmen liegt in der Beurteilung der Endoskopikerin bzw. des Endoskopikers.
- Eingriffsbedingte Pankreatitis — häufigste Komplikation
- Blutung, besonders nach Sphinkterotomie
- Infektion
- Selten Verletzung der Darm- oder Gallengangswand
Wird nach einer ERCP trotzdem die Gallenblase entfernt?
In der Regel ja. Die ERCP entfernt den Stein aus dem Gallengang, doch die Gallenblase als Quelle der Steine bleibt in situ. Bei Patientinnen und Patienten mit vertretbarem Operationsrisiko ist die Planung einer Cholezystektomie zu einem passenden Zeitpunkt nach der ERCP wichtig, um erneute Schübe zu vermeiden.
Anzeichen, die eine sofortige Abklärung erfordern
- Starke, in den Rücken ausstrahlende Oberbauchschmerzen, die seit Stunden anhalten
- Wiederholtes Erbrechen, sodass nichts bei sich behalten werden kann
- Fieber, Schüttelfrost oder Gelbfärbung von Augen bzw. Haut
- Atemnot, schneller Herzschlag oder niedriger Blutdruck
- Verwirrtheit, ausgeprägte Schwäche oder deutlich verminderte Urinausscheidung
Kaynaklar / Sources
- ASGE Standards of Practice Committee. Guideline on the role of endoscopy in the evaluation and management of choledocholithiasis.
- Tenner S, et al. American College of Gastroenterology Guideline: Management of Acute Pancreatitis. Am J Gastroenterol. 2024.
- WSES guidelines for the management of severe acute pancreatitis. World J Emerg Surg.
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